Projektinformation

Überblick

Die Rotarian Action Group for Population & Development (RFPD) initiierte im Norden Nigerias das Projekt „Verbesserung der Müttergesundheit – Prävention und Behandlung von geburtshilflichen Fisteln“. 200 Rotary, Rotaract und Inner Wheel Clubs aus Deutschland und Österreich unterstützten das Projekt; Rotarier aus Nigeria setzten es um. Das Kernprojekt belief sich auf 1,2 Millionen US-Dollar. An der Kofinanzierung beteiligten sich: die deutsche und österreichische RFPD-Sektion, die Rotary Foundation, das BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), die AVENTIS Foundation und die International Association for Maternal and Neonatal Health (IAMANEH)

Zusätzliche Unterstützung erhielt das Projekt von Rotary Satellitprojekten und mehreren Stakeholdergruppen. Sie steuerten Geld- und Sachspenden in Höhe von 1,8 Millionen US-Dollar bei. Das Pilotprojekt ist ein umfassender Ansatz, um Mütter- und Kindersterblichkeit zu reduzieren (MDGs 4 und 5). Umgesetzt wurde es zwischen 2005 und 2010. Im März 2010 übernahmen die Landesregierungen von Kano und Kaduna das Projekt und verpflichteten sich, Projektaktivitäten fortzuführen, um die Nachhaltigkeit des Projektes abzusichern. „Scaling Up“ -Projekte wurden geplant und sind mittlerweile in drei weiteren Staaten begonnen worden.


Der ganzheitlicher Ansatz des Projektes

Mit unserem innovativen, ganzheitlichen Ansatz zur Senkung von Mütter- und Kindersterblichkeit konnten wir die Qualität der Versorgung in den ländlichen Gebieten von Kano und Kaduna State verbessern. Hierzu führten wir in zehn ausgewählten Krankenhäusern ein System zur Qualitätsverbesserung und -sicherung in der Geburtshilfe ein. Wir verbesserten die Strukturqualität, indem wir den Hospitälern die notwendige Ausstattung bereitstellten; die Prozessqualität erhöhten wir durch Schulungen von Gesundheitspersonal. Dadurch gelang es uns, die Müttersterblichkeit in diesen Krankenhäusern erheblich zu reduzieren (Ergebnisqualität).

Die Gemeinden im Umkreis der Krankenhäuser schlossen wir ein in den Prozess zur Verbesserung der Versorgungsqualität. Aufklärungs- und Advocacy-Kampagnen waren die Grundlage unseres Ansatzes. Mithilfe von Radio, Fernsehen, Printmedien, Straßentheater und Community Dialogen (Gemeindeversammlungen) informierten wir die Zielgruppe über die Ursachen von Mütter- und Säuglingssterblichkeit und wie man sie verhindern kann. Dabei arbeiteten wir eng mit traditionellen/religiösen Führungspersönlichkeiten im Projektgebiet zusammen, was uns nicht zuletzt Zutritt zu den Gemeinden ermöglichte. In Zusammenarbeit mit dem Public Media Center (PMC) produzierten wir eine Radioserie und sendeten die Folgen über eine örtliche Radiostation. Die Community Dialoge wurden in den benachbarten Dörfern der ausgewählten Krankenhäuser durchgeführt. Dabei sprach die Chefhebamme des Projekts mit Frauen im gebärfähigen Alter, traditionellen Geburtshelferinnen (Traditional Birth Attendants,TBAs), Männern und Eltern. Sie informierte über Ernährung in der Schwangerschaft und warum regelmäßige Schwangerschaftsfürsorge, Impfungen (u.a. gegen Polio) und Familienplanung so wichtig sind. Sie ermutigte die Zuhörer auch, Erstgebärende zur Entbindung ins Krankenhaus zu bringen. Diese gemeindebasierten Interventionen spielten ein beträchtliche Rolle bei der Senkung der Müttersterblichkeit innerhalb des Projekt.

Ein ganzheitlicher Ansatz dieser Größenordnung kann nicht allein bewältigt werden. Deshalb informierten wir alle Stakeholder fortwährend und bekamen von ihrer Seite wertvolle Unterstützung. Zum Beispiel sorgten sie für Solarenergie in Krankenhäusern mit schlechter Stromversorgung oder für antiretrovirale Medikamente, um eine Mutter-Kind-Übertragung von HIV vorzubeugen. Wenn zusätzliche Hilfe gebraucht wurde, assistierten uns die Rotary Clubs und ergänzten das Kernprojekt mit unterstützenden Projekten (Satellitenprojekten). Sie kümmerten sich um eine verlässliche Wasserversorgung in den Krankenhäusern und um die Rehabilitation von Fistel-Patientinnen in Form von Berufsausbildung und Mikrokreditvergabe.

Der ganzheitlicher Ansatz stützt sich auf drei Grundpfeiler:

  • Aufklärungs- und Advocacy-Kampagnen in Gemeinden, in enger Zusammenarbeit mit traditonellen/religiösen Führungspersönlichkeiten und Regierungen
  • Einführung eines Systems zur Qualitätssicherung in der Geburtshilfe, um die Prozess-, Struktur- und Ergebnisqualität zu verbessern. Dies beinhaltet regelmäßige Datenerhebungen, Analysen und Vergleiche von Prozessen sowie Benchmarking.
  • Behandlung und Prävention von geburtshilflichen Fisteln, einschließlich der Rehabilitation durch Berufsausbildung und Mikrokreditvergabe

Die Ergebnisse – ein erfolgreiches Modell zur Senkung von Mütter- und Säuglingssterblichkeit

  • Durch die Einführung und Verankerung eines Systems zur Qualitätssicherung in den zehn ausgewählten Krankenhäusern konnten wir dort die Müttersterblichkeit um mehr als 50 und die Neugeborenensterblichkeit um 10 Prozent verringern.
  • Wir errichteten zwei auf Fisteln spezialisierte Stationen (eine in Kano, eine in Kaduna), einschließlich Rehabilitations-Einrichtungen und erforderlicher Ausstattung.
  • 1.500 Fistel-Patientinnen (500 mehr als geplant) wurden erfolgreich behandelt und rehabilitiert. Die meisten von ihnen erhielten darüber hinaus eine Berufsausbildung und Mikrokredite, um ihr eigenes kleines Geschäft aufbauen zu können.
  • Sieben Ärzte wurden in Fistelchirurgie ausgebildet und 15 Stationsschwestern besuchten eine Schulung in Fistelnachsorge.
  • Für die Versorgung von Müttern und Neugeborenen zu verbessern, wurden 43 Ärzte, 344 Krankenschwestern und Hebammen, 200 Gemeindehelfer und 197 traditionelle Geburtshelfer in Geburtshilfe geschult.
  • Schlecht ausgestattete Krankenhäuser wurden mit Wasser und Strom versorgt (Satellitenprojekt).
  • In den zehn Krankenhäusern und umliegenden Gemeinden wurden insgesamt 24.000 Moskitonetze verteilt (Satellitenprojekt).
  • 3.000 Spiralen (Kontrazeptiva) wurden an die ausgewählten Krankenhäuser verteilt (Spende von Bayer Schering).
  • Traditionelle Geburtshelfer wurden mit Entbindungs-Sets (birth kits) und anti-shock-garments (zur Stillung von starken Blutungen) ausgestattet (Satellitenprojekt).
  • Die Krankenhäuser wurden mit Medikamenten versorgt, die eine Mutter-Kind-Übertragung von HIV verhindern (Spende von Boehringer Ingelheim).

Das "Scaling up"

Stakeholder und Vertreter der Staatsregierungen von Kano und Kaduna State lobten dieses Projekt als ein „Modell zur Senkung der Mütter- und Säuglingssterblichkeit“, das in anderen Krankenhäusern repliziert werden müsste. Die Regierungen der Staaten Kano und Kaduna verpflichteten sich, die im Projekt geschaffenen Strukturen zu erhalten, um die positiven Auswirkungen des Projekts zu verstärken. Rotary führt weiterhin das Monitoring durch und begann mit der Planung weiterer Replikationen in anderen Staaten ("Scaling up").

Ziel des „Scaling up“ ist eine weitere und regional ausgedehnte Senkung der Mütter- und Säuglingssterblichkeit Weiterhin soll bewiesen werden, dass das Modell auch in anderen Staaten und Ländern repliziert werden kann. Ein mittel- bis langfristiges Ziel ist die Übernahme des Modells in die Gesundheitssysteme der beteiligten Staaten Nigerias.

In den Projektkrankenhäusern wird innerhalb der Qualitätssicherung ein Revisionsverfahren durchgeführt. Neben dem Audit in den Projektkrankenhäusern sollen auch die Sterbefälle von Müttern in den Gemeinden (z. B. bei Hausgeburten) dokumentiert und analysiert werden, um Maßnahmen zu deren Verhinderung entwickeln zu können.